Verpackungsland Österreich

NEW BUSINESS Innovations - NR. 05, JUNI 2017
Nachhaltigkeitsstrategien in der Produktion von Verpackungslösungen leisten einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der Umwelt. © Pixabay

Viel Beachtung erfahren sie vom Konsumenten nicht. Tatsächlich steckt hinter Verpackungen jede Menge Know-how und ein bedeutender Wirtschaftszweig ...

... Der Blick der Branche geht vor allem in eine Richtung: Nachhaltigkeit.

Verpackungen sind nötig, um Produkte zu schützen, sie transportieren zu können und dem Kunden Informationen über ihren Inhalt mitzuteilen. Auch volkswirtschaftlich nimmt die Verpackungsindustrie eine beachtliche Rolle hierzulande ein, immerhin erwirtschaftete sie 2015 einen Produktionswert von 4,6 Mrd. Euro. Das entspricht acht Prozent der gesamten Sachgüterproduktion. Den größten Anteil haben mit rund 1,5 Mrd. Euro Umsatz die Hersteller von Verpackungen aus Kunststoff, gefolgt von den Maschinen- und Anlagenproduzenten mit rund 1,4 Mio. Umsatz und den Herstellern von Verpackungen aus Papier/Karton mit rund 1,1 Mio Euro Umsatz. Einige Unternehmen mit Firmensitz in Österreich sind – zum Teil als Marktführer – weltweit tätig. 2015 erzielten allein die Verpackungshersteller einen weltweiten Umsatz von 16 Mrd. Euro. Bezieht man auch die Hersteller von Verpackungsrohstoffen sowie von Maschinen und Anlagen ein, liegt der Gesamtumsatz bei rund 31 Mrd. Euro.
Umgelegt auf die österreichische Volkswirtschaft beläuft sich der gesamtwirtschaftliche Umsatz auf rund 9,2 Mrd. Euro, mit einem zugehörigen Produktionswert von 8,4 Mrd. Euro; das sind 1,4 Prozent des Produktionswerts der österreichischen Gesamtwirtschaft. „Das bedeutet, dass jeder Euro Umsatz der Verpackungsunternehmen in der gesamten Volkswirtschaft einen weiteren Euro Umsatz schafft und jeder Beschäftigte in der Verpackungsindustrie zwei weitere Jobs sichert“, so Herwig W. Schneider, Geschäftsführer des Industriewissenschaftlichen Instituts. Insgesamt sichern die Aktivitäten der Verpackungsbranche rund 43.600 Arbeitsplätze in Österreich.
Beim jährlichen Verpackungstag im vergangenen November waren Big Player wie Mondi, die Greiner Group, REWE und Kelly’s vertreten. Keynote Speaker Joschka Fischer, deutscher Außenminister a. D. und Gründer von Joschka Fischer & Company, brachte die Richtung der Branche auf den Punkt: „Nachhaltigkeit ist längst im Fokus unserer wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen und ist auf Unternehmensseite wesentlicher Treiber für Innovation, technologische Entwicklung und ökonomischen Erfolg. Die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in der Produktion von Verpackungslösungen unter den Parametern minimale Umweltbelastung und beste Verwertungseigenschaften leistet einen entscheidenden Beitrag zum Schutz unseres Planeten“, so Joschka Fischer.

Klimaziele durch Verpackung erreichen
Der Klimawandel und das damit verbundene Klimaziel der CO2-Reduktion zählen zu den wichtigsten globalen Zukunftsfragen. „Die Nahrungsmittelproduktion für einen Durchschnittseuropäer bzw. eine Durchschnittseuropäerin verursacht rund 30 Prozent des CO2-Ausstoßes. Die dabei verwendeten Verpackungen verursachen lediglich ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes“, so Manfred Tacker, Studiengangsleiter der Verpackungstechnologie an der FH Campus Wien, die gemeinsam mit dem Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) an der Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Verpackungswirtschaft für Österreich arbeiteten. „Mit vermehrter und optimierter Verpackung ließe sich die Nahrungsmittelproduktion effizienter gestalten und der CO2-Ausstoß erheblich reduzieren. Da laut WHO nach wie vor 40 Prozent aller Lebensmittel auf den Feldern verderben, kann die größte Hebelwirkung jedoch nur im globalen Umfeld erzielt werden“, so Tacker weiter.

Weniger Gewicht und Recycling
In puncto Nachhaltigkeit erachten Unternehmen Recycling sowie Vermeidung und Reduktion von Verpackungsabfall als sehr wichtig. Jüngste Beispiele für einen reduzierten Ressourcenverbrauch sind Leichtglasflaschen oder neue Technologien zur Herstellung geschäumter Kunststoffflaschen mit verringertem Materialeinsatz. Als wichtig wird das Ethical Sourcing eingestuft, etwa die Papierherstellung aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Innovationshemmnis: fehlendes Fachpersonal
Laut der aktuellen Studie haben 93 Prozent der befragten Unternehmen in den letzten drei Jahren ihre Produkte bzw. Produktionsprozesse verbessert. Als wichtigste Antriebsfaktoren stellten sich Kundenwünsche sowie motivierte und qualifizierte Mitarbeiter heraus; dahinter rangiert der steigende Wettbewerbsdruck auf Platz drei. „Die Verpackungsindustrie überzeugt am Markt mit innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten, wie man anhand der Einreichungen zum ‚Austrian Smart Packaging Award‘ eindrucksvoll erkennen konnte“, so Rainer Carqueville, Präsident des Österreichischen Instituts für Verpackungswesen. Als Innovationshemmnisse stuften die Unternehmen jedoch den hohen bürokratischen Aufwand, die Überregulierung und den Mangel an gut qualifiziertem Fachpersonal ein.

Nachhaltigkeit ausschlaggebend für ­Studienwahl
Heimische Verpackungsunternehmen haben den Anstoß zum Studium Verpackungstechnologie gegeben und es mitentwickelt. Eine Befragung unter den Bewerbern zeigt, dass für 95 Prozent der Nachhaltigkeitsschwerpunkt ausschlaggebend für die Studienwahl war. 40 Prozent davon arbeiten bereits in der Branche. „Wer den Kampf um die besten Köpfe gewinnen will, muss bei Verpackungslösungen schon deshalb auf Nachhaltigkeit setzen“, so Studiengangsleiter und Studienautor Manfred Tacker. (MW)

INFO-BOX
Wofür ist das ÖIV zuständig?
Das Österreichische Institut für Verpackungswesen (ÖIV) wurde 1956 als unabhängige und neutrale Stelle für die Verpackungsindustrie, die abpackende Industrie und den Handel auf Basis eines kooperativen Forschungsinstitutes als Verein gegründet. Während sich die Aktivitäten anfänglich auf die Verpackungsprüfung konzentrierten, begann das Institut bald mit der Erarbeitung von Basisinformationen sowohl für öffentliche Stellen als auch für Firmen.
Seit 1969 verfügt die Versuchsanstalt über eine staatliche Autorisation für das Gesamtgebiet des Verpackungswesens. Diese wurde 1995 durch die Akkreditierung als Prüfstelle ersetzt. Qualitätsprüfungen werden sowohl für Packstoffe als auch für Verpackungen durchgeführt.
Einer der wichtigsten Tätigkeitsbereiche ist die Prüfung und Zulassung von Verpackungen für gefährliche Güter. Darüber hinaus arbeitet das ÖIV in verschiedenen nationalen und internationalen Normenausschüssen mit.
Die Tätigkeiten des Institutes werden von Packstoffherstellern, Verpackungserzeugern, abpackender Industrie, Transportunternehmen, Handelsorganisationen, Fachverbänden der Wirtschaftskammer und Ministerien in Anspruch genommen und unterstützt.
www.verpackungsinstitut.at